Verdrängt das Internet das Fernsehen?
Oliver Wrede | 30. März 2009Am 23. und 24. März fanden – organisiert vom ZDF – die 42. Mainzer Tage der Fernsehkritik statt. Der Untertitel dieses Jahr war »Leitmedium auf Bewährung – Suchen und Finden des Neuen«.
Leitmedium? ZDF-Intendant Markus Schächter sagt, dass »das Internet nicht der “Killer” des Fernsehens sei«. Ja – und die Radiowelle ist nicht der “Killer” der des Buchdrucks. Warum nur kann ich den einführenden Vortrag von Herrn Schächter nicht im Fernsehen sehen? Das gibt mir zu denken…
Mir scheint das Internet befreit das Fernsehen von den Zwängen der Programmstrukturen und Sendeplätze. Fernsehen wird nicht sterben – aber Fernsehsender sind nicht gleich “Fernsehen”. Wir sind lediglich an eine bestimmte Machart gewöhnt – und es gibt Grund zur Annahme, dass sich die Zuschauer auch an neue Formen gewöhnen.
Das Fernsehen ist “echtzeitfixiert”, sagt Herr Schächter – und das Internet demnach nicht? Das scheint allerdings ein Irrtum zu sein: das Internet war im ganz besonderen Maße echtzeitfixiert – nirgendwo verdichtet sich der Globus zu einer zeitgleichen Erfahrung wie im Netz. Das Fernsehen hingegen lebt schon jetzt von Video, welches nur in wenigen Fällen live gesendet wird.
Das Kernproblem ist der drohende Verlust der Stellung der Fernsehsender als Produzenten des Leitmediums. Dank der hauseigenen Studie erkennen die Sender: Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren nutzen heute schon das Internet mehr als sie Fernsehen schauen – und diese Menschen sind in 10 Jahren 24 bis 29 Jahre alt – und werden Internet sicher an noch ganz anderen Stellen und zu anderen Gelegenheiten nutzen als heute. Es ist daher absehbar, dass das Internet das Leitmedium werden wird: und in diesem werden nicht vornehmlich Bewegtbildinhalte gesucht und konsumiert.
Das “Problemthema” ist nicht das Internet, sondern der Rundfunkstaatsvertrag. Und in diesem wird das Internet als “zusätzlicher Übertragungsweg” definiert. Die Fernsehsender sind somit gewzungen das Internet als “Begleitmedium” zum alten Leitmedium aufzufassen. Die Archive der Sendeanstalten dürfen bestimmte Inhalte nur für gewisse Zeit online halten (Verweildauer). Insbesondere die Verleger kämpfen darum, dass die Konkurrenz aus dem Fernsehen nicht als Konkurrenz im Internet auftritt (hier ist ein Interview zum Thema mit der Online-Chefin der ARD Heidi Schmidt).







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