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Die Ära des Fernsehens vorbei? Kaum…

Oliver Wrede | 30. März 2009

Immerhin macht sich im Internet mal wieder die Tendenz breit mit hochgegriffenen Titeln für die eigenen Kommentare mehr Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So bedient sich auch Dr. Mercedes Bunz dieser Taktik um über das Ende des Fernsehens zu sinnieren – und wird vom Journalisten-Kollegen beklatscht, der ohne die Aufnahme seines eigenen Formats in genau jenes Fernsehen sicher weniger bekannt wäre.

Und beide machen den gleichen Fehler: ihre eigene Web-Welt zum Modell der Medien-Welt zu erheben. Frau Bunz zitiert hier fröhlich das “wir” – ohne zu erläutern wen sie eigentlich mit “wir” meint – und ob sich der Leser in diesem “wir” eingeschlossen fühlen sollte.

Es bleiben Fragen offen:

  • Richtet Mercedes Bunz ihre Kritik gegen “Fernsehen” generell oder nur dessen Macher?
  • Unterschätzen die Fernsehmacher die transformierenden Kraft des Internets und die Geschwindigkeit des Wandels? (so wie Monika Piel im Dezember 2006)
  • Welche Funktion erfüllt das öffentlich-rechtliche Fernsehen heute und in Zukunft?
  • Vernachlässigen die Intendanten die Kriterien a) politisch neutral, b) journalistisch fundiert und c) kulturell maßgeblich zu sehr?

Die neue Qualität der Gefahr ist nicht so sehr das Programm, das nicht Bunz-kompatibel ist, sondern dass die technischen und kulturellen Innovationen, die das Fernsehen betreffen nicht mehr von den Fernsehsendern selbst geschaffen werden: das technische Leitmedium ist schon längst das Internet – und es gibt wenig Grund anzunehmen dass es nicht auch kulturelle Leitmedium werden wird.

Wenn die Politik erfasst, dass sich die Gebührenpflicht nicht auf das Fernsehen, sondern auf das jeweilige Leitmedium beziehen muss, dann wird das Fernsehen noch lange bleiben  – aber auch einige andere Institutionen, die von diesen Etats finanziert werden könnten und müssten.

Nachtrag: Im Fernseher des Verfassers schütteten sich die Big-Brother-Kandidaten auf RTL2 auf Befehl einer bösen Stimme aus dem Off gegenseitig Eimer mit Soßen und Mehl über die Köpfe – jedesmal begründend, warum das jeweilge Opfer ausgewählt wurde. Und auf dem Videoportal Sevenload wird man sendebegleitend gefragt “Möchtest Du Big Brother Fan werden?” – Wer kann da widerstehen?

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Verdrängt das Internet das Fernsehen?

Oliver Wrede | 30. März 2009

Am 23. und 24. März fanden – organisiert vom ZDF – die 42. Mainzer Tage der Fernsehkritik statt. Der Untertitel dieses Jahr war »Leitmedium auf Bewährung – Suchen und Finden des Neuen«.

Leitmedium? ZDF-Intendant Markus Schächter sagt, dass »das Internet nicht der “Killer” des Fernsehens sei«. Ja – und die Radiowelle ist nicht der “Killer” der des Buchdrucks. Warum nur kann ich den einführenden Vortrag von Herrn Schächter nicht im Fernsehen sehen? Das gibt mir zu denken…

Mir scheint das Internet befreit das Fernsehen von den Zwängen der Programmstrukturen und Sendeplätze. Fernsehen wird nicht sterben – aber Fernsehsender sind nicht gleich “Fernsehen”. Wir sind lediglich an eine bestimmte Machart gewöhnt – und es gibt Grund zur Annahme, dass sich die Zuschauer auch an neue Formen gewöhnen.

Das Fernsehen ist “echtzeitfixiert”, sagt Herr Schächter – und das Internet demnach nicht? Das scheint allerdings ein Irrtum zu sein: das Internet war im ganz besonderen Maße echtzeitfixiert – nirgendwo verdichtet sich der Globus zu einer zeitgleichen Erfahrung wie im Netz. Das Fernsehen hingegen lebt schon jetzt von Video, welches nur in wenigen Fällen live gesendet wird.

Das Kernproblem ist der drohende Verlust der Stellung der Fernsehsender als Produzenten des Leitmediums. Dank der hauseigenen Studie erkennen die Sender: Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren nutzen heute schon das Internet mehr als sie Fernsehen schauen – und diese Menschen sind in 10 Jahren 24 bis 29 Jahre alt – und werden Internet sicher an noch ganz anderen Stellen und zu anderen Gelegenheiten nutzen als heute. Es ist daher absehbar, dass das Internet das Leitmedium werden wird: und in diesem werden nicht vornehmlich Bewegtbildinhalte gesucht und konsumiert.

Das “Problemthema” ist nicht das Internet, sondern der Rundfunkstaatsvertrag. Und in diesem wird das Internet als “zusätzlicher Übertragungsweg” definiert. Die Fernsehsender sind somit gewzungen das Internet als “Begleitmedium” zum alten Leitmedium aufzufassen. Die Archive der Sendeanstalten dürfen bestimmte Inhalte nur für gewisse Zeit online halten (Verweildauer). Insbesondere die Verleger kämpfen darum, dass die Konkurrenz aus dem Fernsehen nicht als Konkurrenz im Internet auftritt (hier ist ein Interview zum Thema mit der Online-Chefin der ARD Heidi Schmidt).

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Zattoo experimentiert mit “echtem WebTV” mittels Flash Ausgabe

André | 18. März 2009

Ob Zattoo bisher mit dem zwangsweise benötigten Client ein WebTV Angebot war oder nicht mögen andere ausdiskutieren – jetzt zumindest experimentiert man dort mit einem flashbasierten WebTV Angebot. Oder auf gut deutsch : "Zattoo goes Browser!" ;-) Die geübten Nutzer werden trotz dieser "Neuerung" sicher keinen Browsing-Kurs benötigen.

Interessanter Schritt – in einer Zeit, wo Web2.0-, IP-TV-, und WebTV-Startups auf der ganzen Welt straucheln und Investoren allerorten nach Kostenreduktionen verlangen. Gerade jetzt hätte ich eher erwartet, dass Anbieter von WebTV ihre andauernde Suche nach geeigneten Peer-to-peer bzw. P2P-Lösungen intensivieren, um weniger Geld für Traffic investieren zu müssen.

Hierfür hat ja Zattoo wie diverse andere klar auf eine Clientanwendung gesetzt, bei der Content mittels P2P von Usern weiterverteilt wird, ähnlich wie dies im Filesharing Bereich (Kazaa, BitTorrent & Co.) auch passiert.

Wenn man im Hinterkopf behält, dass ja bei einem Videostream in Normalfall schlichtweg jeder neue Nutzer/Zuschauer Traffic-Kosten erzeugt, wird schnell klar, was an der P2P Lösung so reizvoll ist. Sie ist (oder war?) ein Ansatz, um ähnlich wie im klassischen TV-Geschäft die Skalierung der Nutzerzahle von der Skalierung der Kosten abzukoppeln.

netzwertig.com:

In den nächsten Wochen will Zattoo die für Testnutzer unter http://watch.zattoo.com erreichbare Browserversion auf Stabilität und Skalierbarkeit testen. 32 Sender sind während der Beta-Phase dabei. Anders als bei der Desktop-Version, die Dank des P2P-Verfahrens das anfallende Datenvolumen auf die Nutzer verteilen kann, dürfte das auf Flash basierende Streaming im Browser für Zattoo erheblich mehr Traffic und damit Kosten verursachen.

Eigentlich bleibt Zattoo zur Erreichung einer ausreichend großen Nutzerschaft wohl kaum ein anderer Weg, als sich dem vom Nutzer bevorzugten Distributionsweg zu öffnen. Und das ist im Web eben die Nutzung ohne allzu spezielle Plugins (Flash darf bzw. muss man wohl voraussetzen…) oder gar einen speziellen Client wie bei Zattoo.

Man spricht dort zwar von hohen Nutzerzahlen, so netzwertig.com….

4,2 Millionen User in Europa verwenden Zattoo, um herkömmliche TV-Sender über eine Software auf dem Rechner zu schauen.

…aber wie viele aktive Nutzer das wirklich sind (oder im Sinne der AGOF “Nutzer pro Woche”?) ist schwer einzuschätzen.

So oder so: Das Angebot von Zattoo ist klasse und wir freuen uns über den kommenden weiteren Zugangsweg.

Die Frage, woher die Gelder für die hiermit sicher erheblich steigenden Kosten kommen, beantwortet eventuell das folgende weitere Zitat von netzwertig.com:

Nachdem es bei Zattoo Mitte 2008 zu einem Finanzierungsengpass kam, beteiligte sich im Herbst das Schweizer Medienhaus Tamedia an dem Züricher Unternehmen. Die Zahl der registrierten Nutzer beträgt aktuell 4,2 Millionen, 1,45 Millionen davon in Deutschland und eine Million im Heimatmarkt Schweiz. Beachtliche 13 Prozent aller Schweizer haben also ein Konto bei dem Dienst. Weniger erfolgreich lief es dagegen in Belgien, wo Zattoo das Streaming aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Perspektive in Kürze einstellen wird.

via: netzwertig.com

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Kurzmitteilung: Zahlenspiele WebTV vs. IPTV

André | 15. März 2009

Unter dem Titel “Millionenspielereien im IPTV-Markt” hat tw-tv.de eine sehr kompakte, gleichwohl interessante Bemerkung zu ein paar Zahlen veröffentlicht.

Erst kürzlich rauschte ja durch die Medien…

dass die Telekom zum Jahresende eine Million Triple-Play-Kunden anpeilt. Die Telekom nahe Management-Beratung Detecon International prognostiziert mehr als 5 Millionen IPTV-Kunden in 2013.

Hört sich dies ja erstmal nicht so wahnsinnig schlecht an, dreht sich das Bild bei Betrachtung älterer Zahlen. Der Autor dazu:

(…)Wenn man nur bis ins Jahr 2006 zurückblickt, wo noch 12 Millionen deutsche Haushalte bis 2011 mit IPTV versorgt sein sollten, sind solche Zahlen eher ernüchternd. Immerhin waren 2005 nur 3 Millionen Haushalte für 2010 prognostiziert (…)

Schön finde ich das Fazit:

Vielleicht sollten die Telcos doch umdenken und umschwenken auf ein offeneres Modell. Denn das funktioniert bereits hervorragend. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist im Internetfernsehen der Durchbruch schon längst erreicht. Das Amt meldet, dass im ersten Quartal 2008 über 14 Millionen Privatleute über das Radio gehört und/oder ferngesehen haben.

In der Tat verstehe ich die ganze Zeit nicht, warum man komplizierte Systeme mit zusätzlichen Geräten (eben IPTV) anschaffen soll, wenn die zur Nutzung von WebTV erforderliche Technologie ohnehin meist bereits 3x in jedem Haushalt vorliegt. Anstatt dessen wird eine weitere Set-Top Box benötigt, um einem Fernsehgerät das beizubringen, was jeder 300 EURO-PC ohnehin schon kann…

Nicht zuletzt ist die bisherige Kampagne der Telekom m.E. nicht geeignet, nennenswerte Kundenmengen anzuziehen. Für mich selbst als eher technikaffiner Mensch, der beruflich wie privat technische Weiterentwicklungen verfolgt, war in der Werbung nicht immer klar, welches Produkt, welche Leistung, welche Technologie mir hier überhaupt angepriesen wird.

Wenn dies bei anderen, ggf. technikferneren Zielgruppen ähnlich ist, sollte die Marketingabteilung vielleicht nochmal die Kampagne überdenken. Denn gerade für diese Zielgruppen kann aktuell IPTV gegenüber WebTV noch einen Mehrwert bieten: Alles ist dort einfach und in einem Gerät mit Fernbedienung integriert. Ich habe das zwar mit WebTV zu Hause auch, aber das ist eine andere Geschichte und braucht etwas mehr “Implementationsarbeit” als Auspacken, Einschalten, Fertig ;-)

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Youtube hängt alle ab

Daniel Schäfer | 5. März 2009

Comscore veröffentlicht Daten über die Nutzung von Online-Videos in den USA. Wenig überraschend landet YouTube auf Platz 1 der Liste. Überraschungen gibt es allerdings im unteren Bereich der Top Ten, wo MegaVideo.com mit einer durchschnittlichen Video-Länge von 24,9 Minuten aufwartet – obwohl Videos von dieser Länge dort nur schwer zu finden sind.

YouTube beziehungsweise Google bleibt nach dieser Statistik der absolute Platzhirsch unter den Video-Diensten in den USA. Der Marktanteil der Google Sites beträgt – gemessen an der Zahl der ausgestrahlten Video-Streams – fast 43% und der Abstand zur Konkurrenz ist enorm. Fox Interactive Media, unter anderem verantwortlich für die Videos unter MySpace.com, landet auf Platz 2, verfügt aber nur einen Marktanteil von 3,7%. Vergleichbar sieht es bei Yahoo auf Platz 3 und einem Marktanteil von 2,5% aus.

Ähnlich verhält es sich auch, wenn man die Nutzungsdauer der einzelnen Dienste betrachtet. Etwa drei Viertel der US-Anwender haben im Januar Online-Videos angesehen, wobei die durchschnittlich dafür aufgewandte Zeit knapp 6 Stunden (356′) betragen hat. Entsprechend der Rangreihe entfällt fast die Hälfte dieser Nutzungsdauer (159,2′) auf die Google Sites. Fox (10,5′) beziehungsweise Yahoo (18,1′) weisen dagegen nur ein Bruchteil dieser Zeiten auf.

Etwas aus der Reihe fällt Hulu mit 79 Minuten. Der Grund dafür besteht darin, dass dort viele Sendungen aus dem US-Fernsehen abrufbar sind. Allerdings ist…

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