Probleme bei Joost: Nur noch amerikanischer Markt oder doch nicht?
André | 7. April 2008Über kaum ein Web-TV-relevantes Startup ist in den letzten 1-2 Jahren so viel spekuliert worden wie über Joost, kaum ein Startup hatte so viel Vorschusslorbeeren erhalten – kein grosses Wunder, sind doch die Gründer von Kazaa- und Skype (Janus Friis und Niklas Zennström) auch die treibende Kraft hinter Joost. Ohne Frage, die Herren müssen nicht mehr beweisen, dass sie etwas können – das ist hinreichend geschehen.

Es könnte aber sein, dass man mit der Peer-to-peer (P2P) Technologie auf das falsche Pferd gesetzt hat – zumindest erscheint die Strategie durch die Weiterentwicklung der browserbasierten Videoausspielung etwas überholt. Einen Qualitätsvorteil gegenüber Anbietern, die z.T. sogar Full-HD streamen (wie Dailymotion, Brightcove, Veoh) kann ich zumindest bei Joost nicht erkennen. Wohl aber einen schweren Nachteil: Es gilt, den Joost Player auf dem Client zu installieren. Der weitere potentielle Vorteil (nämlich Einsparungen bei den Traffickosten) kann aus meiner Sicht auch kaum so gewichtig sein wie er auf dem Papier erscheinen mag, denn funktionionierendes P2P bedingt immer auch User, die einen Upstream zur Verfügung stellen. Und bei heute üblichen Infrastrukturen auch bei Endusern (d.h. Rechner stets hinter einer Firewall auf dem Router oder zuindest durch eine personal firewall “geschützt”) wird das kaum zuverlässig funktionieren.
Neben diesen konzeptionell-architektonischen Kritikpunkten rauschte heute aber noch ein neues Thema durch Blogs & Newsportale: laut diesem Artikel der Sunday Times (der dann u.a. von Heise zum Anlass für diese Newsmeldung genommen wurde), scheint Joost ein paar weitere Probleme lösen zu müssen.
Das Gerücht, Joost wolle sich nur noch auf den amerikanischen Markt beschränken, weil man zu wenig attraktive Programmangebote für die Märkte in Europa und Asien anbieten könne, stand heute früh im Raum. Das wäre nachvollziehbar, schließlich sind es die Rechteinhaber und Sender eher gewöhnt, Senderechte je Land oder allenfalls je Kontinent zu vergeben – entsprechend sah das Produkt in Deutschland viel weniger sexy aus als z.B. in den USA.
Vorgestern bereits meldete Techcrunch, dass Joost aktuell eine größere Umstrukturierung angehe:
Joost is said to be preparing a “major retrenchment” of staff as part of a restructure that will see Joost abandon its global ambitions for the US only
Auch wenn man Probleme mit der Akquise von Content (und der Einräumung internationaler Streamingrechte) hat, wird Joost so schnell nicht vom Markt verschwinden, so zumindest schreibt Techcrunch:
The Times reports that Joost still has money in the bank and “Joost is unlikely to close, however. “There are too many egos involved,” said one former employee.” Joost denied that staff would be retrenched, saying only that “There are some situations where staff have been re-aligned to better fit our needs.”
Laut dem Branchendienst Gigaom widerspricht Joosts CEO der o.g. “aus der Not geborenen” ausschliesslichen Fokussierung auf den amerikanischen Markt - und zeigt auf, dass Joost weiterhin in Europa & China aktiv sei und dies auch zu bleiben gedenkt:
“We are focusing on US, Western Europe, China and a few other Asian markets,” he told me. “Taking a more measured approach to our expansion, and keeping it in sync with markets where online advertising is mature enough.” Volpi pointed out that Joost launched in China two weeks ago, and has recently signed content partnerships in Scandinavia. “When you add to the mix UK, France and a couple of other Western European countries”, Volpi said “it is pretty obvious that the company is not scaling back from its global ambitions.”
Mein Urteil zu Joost hat sich eigentlich aktuell nicht verändert: Ich halte das nach wie vor für eine coole Idee und ein sehr nett gemachtes Produkt – was aber durch die mit Flash im Browser möglichen Features eigentlich (leider?) keine ernsthafte/langfristige Daseinsberechtigung hat.
Come on, Joost, prove me wrong






Ich denk Joost mach das schon richtig, first things first, Konzentration auf die Kernmärkte, vor allem bei den unwägbaren Kosten der Lizenzen für weltweite Verwendung des Contents